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Publiziert am 12.07.2008 von Johann Stöger

Neurobiologisch-psychologisches Modell der Persönlichkeit

Die Persönlichkeit eines Menschen besteht aus vier aufeinander aufbauenden und miteinander verwobenen Ebenen:

 

1. Das Temperament

diese unterste Ebene ist weitestgehend angeboren und damit durch Erziehung und Erfahrung nur schwer zu beeinflussen. Es geht hier um grundlegende Persönlichkeitsmerkmale wie Ausdauer, Geduld, Selbstvertrauen, Kreativität etc. Hierzu gehören auch Vertrauen bzw. Mißtrauen gegenüber anderen, Pünktlichkeit, Ordnungsliebe, Zuverlässigkeit und Intellegenz.

 

2. Die emotionale Prägung

Diese zweite Ebene bildet zusammen mit dem Temperament den unbewußten Kern unserer Persönlichkeit. Sie entwickelt sich in den ersten Lebensjahren und ist später nur über starke emotionale oder lang anhaltende Einwirkungen veränderbar. Hier lernt unsere Psyche, was gut bzw. lustvoll und was schlecht bzw. schmerzhaft ist. Jetzt wird festgelegt, wie wir mit Stress, Furcht, Erfolg, Unsicherheit und Risiken umgehen. Hier bilden sich auch die individuelle Belohnungserwartung, Leistungsmotivation und Ehrgeiz aus, sowie die Abhängigkeit von Lob und Anerkennung.

 

3. Das bewusst soziale Verhalten

Diese Ebene entwickelt sich in später Kindheit und Jugend und wird wesentlich durch soziale Erfahrungen beeinflusst. Sie beinhaltet das Streben nach Erfolg, Anerkennung, Ruhm, Macht, Freundschaft, Liebe und sozialer Nähe. Hier werden Empathie und Mitleid ausgebildet, Hilfs- und Kommunikationsbereitschaft, Moral und Ethik.

 

4. Die sprachliche Kommunikation

Diese vierte Ebene bestimmt, wie wir kommunizieren. Hier entsteht unser Selbst- und Wunschbild. Hier lernen wir, wie wir uns darstellen sollen, um voranzukommen. Dies ist die Ebene der Diplomatie, der Verstellung und auch des Selbstbetrugs. Diese Ebene hat die Fähigkeit, sich von den drei anderen Ebenen abkoppeln zu können; sie kann innerpsychisch ein Eigenleben führen.
Die vier Ebenen bestimmen im übrigen unser Fühlen, Denken und Handeln ihrer Stärke nach in umgekehrtem Verhältnis zu ihrer Veränderbarkeit. Das bedeutet, dass sich Handlungsmotive auf der oberen sozialemotionalen Ebene nur dann durchsetzen, wenn sie sich mit tieferliegenden egoistisch-emotionalen Motiven verbünden.

 

An der Führungspersönlichkeit sind natürlich alle vier Ebenen beteiligt; die pure Aneignung bestimmter kommunikativer und kognitiver Fertigkeiten reicht dazu jedoch nicht. Eine „lockere“ Umgangsart mit den Mitarbeitern wird von diesen bald als Tünche durchschaut – die schnell wegbricht, wenn Schwierigkeiten auftauchen oder wenn die Verführung der Macht oder die Möglichkeit persönlicher Bereicherung zu groß wird.

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