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Publiziert am 20.12.2009 von Gabi Stöger

Ross oder Reiter: Steuern Gene unser Leben - oder umgekehrt?

In seinem Buch Intelligente Zellen; Wie Erfahrungen unsere Gene steuern belegt der Zellbiologe Bruce Lipton seine Behauptung gleich zu Beginn mit der Reaktion unserer Zellen auf eine Maserninfektion. Es werden Antikörper gebildet, die in der Zelle als neues Gen abgespeichert werden. Diese aktivierten Zellen verfeinern ihr Antikörper-Protein so lange, bis ein perfektes Gegenstück zum Masernvirus gebildet wurde. Danach kann die Zelle dieses Antikörpergen 100fach kopieren. Auch nach der Genesung bewahrt die Zelle die genetische Erinnerung. Die neuen Antikörpergene können an alle Nachkommen weitergegeben werden. Das heißt, unsere Zellen verfügen über ein intelligentes Lernprogramm.


Bislang waren wir der Meinung, unsere Gene steuern unsere Lebensvorgänge. Lipton behauptet, mit seinen Experimenten belegen zu können, dass die Gene aufgrund von Umweltsignalen und nicht selbstaktiviert sind. Gene werden demnach je nach den Umständen aktiviert oder abgeschaltet. So waren z. B. noch vor ein paar tausend Jahren Geruchsinngene aktiv, aber in der heutigen Umwelt spielen sie eine so untergeordnete Rolle, das sie uns gänzlich abhanden gekommen sind.


Jahrzehnte lang galt das Dogma: Die DNS steure ihre Replikation selbst und bilde damit die Hauptrolle innerhalb der Vererbung. Doch Lipton fand heraus, dass 80% der von Wissenschaftlern als notwendig erachteten DNS nicht existiert. Es gibt einfach nicht genug menschliche Gene, um mit ihnen die Komplexität des menschlichen Lebens oder der menschlichen Krankheiten zu erklären.


In einem Experiment wurde einer Zelle ihr Zellkern mit allen DNS-Infos entnommen. Zur Überraschung des Laborteams lebte die Zelle weiter, auch wenn sie sich ohne Gene nicht mehr teilen konnte. Diese entkernten Zellen zeigten aber weiterhin komplexe, lebenserhaltende Verhaltensmuster.
In einer kompletten Zelle bildet die DNS in ihrem Chromosomenstrang das Kernstück. Sie wird von Proteinen umhüllt wie unser Arm von einem Ärmel. Erst wenn ein Teil dieses Strangs ein Signal aus der Umwelt erhält, löst sie sich aus der Doppelhelix und das Gen kann gelesen werden.
Die Aktivität der Gene wird also durch die An- oder Abwesenheit des schützenden Proteins gesteuert, das wiederum unter dem Einfluss von Umweltsignalen steht.


Das Primat der DNS ist demnach hinfällig und wird abgelöst durch ein Primat der Umgebung, d.h. Gene werden durch Umweltsignale in Gang gesetzt.

Die Macht der Überzeugungen – biologisch erklärt

Eine Studie mit geklonten Zellen aus der Innenwand der Blutgefäße zeigt, dass die Zellen verschiedene Schalter besitzen: solche, die auf Histamine reagieren, ebenso wie solche, die auf Adrenalin reagieren. Wurden die Zellen mit beiden Reizen gleichzeitig konfrontiert, waren die vom Adrenalinsystem freigesetzten Signale stärker. Selbst in den einfachsten Zellen gibt es also ein Ordnungssystem in Form einer inneren Hierarchie.
Diese innere Ordnung könnte Placebos mit ihrem Überzeugungseffekt erklären. Unter Placebos versteht man Scheinmedikamente und Scheinbehandlungen. Noch heute staunen die Mediziner, wie weit dieser Placeboeffekt wirkt. An einer Reihe von Patienten mit schweren Knieproblemen wurden lediglich Placebo-Operationen durchgeführt. Die Heilungsquote war genau so hoch, wie bei denjenigen, die echt am Knie operiert waren. Inzwischen ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass allein Glaube und Hoffnung zur Ausschüttung von Endorphinen im Gehirn führen. Endorphine sind körpereigene opiatähnliche Substanzen, die unser Schmerzempfinden unterdrücken und Glücksempfinden herbeiführen können. Wenn positive Überzeugungen so mächtig sind, dass sie auch Knorpelentzündungen im Knie heilen können, wie schädlich werden sich dann negative Überzeugungen auf unser Leben auswirken?


Hierbei spricht man vom Nocebo-Effekt. Das kannst du nicht, womit habe ich dich verdient, du sollst mal später genauso schlimme Kinder haben, wenn du nicht wärst, dann könnte ich…sind nur einige von den gängigen Gruselbotschaften von überforderten Eltern. Aber auch andere Personen können uns negativ beeinflussen. Ärzte z.B., denen wir glauben und vertrauen, können einem Schwerkranken jegliche Hoffnung nehmen und damit den Ausgang der Krankheit stark mitbestimmen. Von den Zellbiologen wissen wir, dass Wachstums- und Schutzmechanismen die fundamentalen Verhaltensweisen sind, die ein Organismus braucht, um zu überleben. Zellerneuerung bedeutet Wachstum. Die menschlichen Blutgefäßzellen zeigen im Reagenzglas eine klare mikroskopische Anatomie für eine Wachstumsreaktion und eine vollkommen andere für eine Schutzreaktion. Die Zellen waren nicht in der Lage, beide Reaktionen gleichzeitig zu zeigen. Das heißt, Schutz und Wachstum schließen sich gegenseitig aus.
Auch Menschen investieren bei einer Bedrohung all ihre Energie auf Flucht oder Kampf. Diese Reaktion geht immer zu Lasten des Wachstums. Wenn eine Schutzhaltung also über einen längeren Zeitraum aufrecht erhalten wird, hemmt das die Energie für lebenserhaltende Prozesse. Wir alle kennen den Ausspruch, „sich zu Tode fürchten“. Da die modernen Bedrohungen in der Regel langfristige sind, erklärt uns dies auch die häufige Anfälligkeit für Erkältungen und andere Krankheiten.


In mehrzelligen Organismen wird das Wachstums- und Schutzverhalten über das Nervensystem gesteuert. Wenn der Hypothalamus eine äußere Gefahr wahrnimmt, sendet er ein Signal, das unsere 50 Billionen Zellen in Bezug auf diese Gefahr organisiert; unsere Adrenalindrüsen werden aktiviert.
Hierbei verarbeitet unser Unbewusstes 4 Milliarden Bits pro Sekunde. Unsere unbewusste Wahrnehmung ist also schnell, viel schneller nämlich als unsere bewusste Wahrnehmung. Hier hinken wir immer hinterher. Gerade bei Bedrohungen sind Reaktionen, die automatisch und ungemein schnell ablaufen, überlebenswichtig. Diese Reaktionen können so heftig sein, dass das bewusste Denken behindert oder gar abgeschaltet wird.
Die Aussage, „Angst macht dumm“, lässt sich mit diesen Schutzmechanismen gut verstehen. Im Laufe der Evolution wurden diese erlernten Reaktionen immer mächtiger. Es handelt sich dabei um genetisch programmierte Instinkte, die automatisch ablaufen, wie erhöhter Herzschlag oder Anstieg der Körpertemperatur. Doch die von Natur aus einprogrammierten Instinkte werden von Yogis und anderen Geübten willentlich überwunden.

 

Wie lernen wir Überzeugungen?

Wenn wir uns fragen, wie positive und negative Überzeugungen entstehen, spielt das Lernen in unseren frühen Jahren eine besondere Rolle. Von der Geburt bis zum Alter von zwei Jahren arbeitet unser Gehirn hauptsächlich in Deltawellen, mit einer Frequenz von 1 bis 4 Hz. Im Alter von 2 bis 6 Jahren arbeitet unser Gehirn dann in dem etwas höheren Frequenzbereich der Tetrawellen von 4 bis 8 Hz. Interessanterweise benutzt die Hypnose die Delta- und Tetrawellen, da wir in dieser Hirnfrequenz sehr empfänglich für Programmierungen sind.


Kleine Kinder beobachten ihre Umgebung genau und speichern das Weltwissen ihrer Eltern direkt in ihrem Unbewussten ab. So werden die Verhaltensweisen und Überzeugungen der Eltern zu ihren eigenen.


Wissenschaftler des Primaten-Forschungsinstituts von Koyota berichten von einer Lernstudie. Sie brachten Schimpansen japanische Schriftzeichen für Farben bei. Reagierten die Schimpansen am Computer richtig, gab es zur Belohnung eine Münze. Eine Schimpansenmutter hatte bei diesen Übungen immer ihr Junges bei sich. Zur Überraschung aller konnte dieses Junge nach einiger Zeit ebenfalls die japanischen Schriftzeichen lesen. Genau wie dieses Schimpansenjunge beobachten auch Kleinkinder ihre Eltern genau, so dass Überzeugungen und Einstellungen in den synaptischen Verbindungen verdrahtet werden.


Wenn wir älter werden, schwingt unser Gehirn meist in der Alpha-Frequenz von 8 bis 12 Hz. Jetzt sind wir weniger beeinflussbar.
Die von unseren Eltern, Lehrern, Freunden und anderen Vorbildern erlernten Verhaltensweisen und Überzeugungen stimmen nicht immer mit unseren eigenen Zielen und Wünschen überein. Oft sind diese früh gelernten Selbstbeschränkungen ein großes Hindernis für uns. Unsere Handlungen laufen dann automatisch ab, und allzu oft stellen wir hinterher fest, eigentlich will ich das so nicht. Das erklärt, warum unsere guten Vorsätze von Silvester meist schon ein paar Tage später hinfällig werden. Da behindernde Überzeugungen immensen Einfluss auf unser Verhalten, auf Physiologie und Gesundheit haben, lohnt es sich, genauer hinzuschauen und sie aufzulösen.


„Die fehlende Verbindung zwischen guten Absichten und effektiven Handlungen ist die Fähigkeit, unterbewusste Überzeugungen in Einklang mit bewussten Zielen zu bringen“, hebt Rob Williams hervor. Nur wenn unser Unbewusstes mit dem Bewusstsein in die gleiche Richtung marschiert, erreichen wir spielend unsere Ziele.


Wir können neue Glaubenssätze bewusst wählen und implementieren. Solange hierbei aber nur ein geringer Teil der tieferliegenden unbewussten Überzeugungen angesprochen wird, wird das alte problembeladene Thema sich wieder melden. Z. B. lernen viele Kinder, dass sie besondere Aufmerksamkeit und Zuneigung erhalten, wenn sie krank und hilfsbedürftig sind. Als Erwachsener bedeutet dieses gelernte Programm, „du darfst nicht stark und nicht erfolgreich sein, sonst verlierst du Zuneigung und Aufmerksamkeit.“


In unseren Seminaren und Coachings sind wir immer besonders hellhörig, wenn ein Teilnehmer oder der Coachee einschränkende Überzeugungen äußert. Hier gilt es die zugrundeliegende Einschränkung zu benennen und durch entsprechende methodische Schritte aufzulösen. Nur so können positive Glaubenssätze auch wirklich wachstumsfördernd wirken.


Die Arbeit an den Überzeugungen ist für uns seit Jahren der Schlüssel, der auch neues Verhalten generiert.