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Publiziert am 19.06.2010 von
Gabi Stöger
Fusionen erfolgreich begleiten - Erfahrungen aus der Personalarbeit
Als die IT-Unternehmen COR und FJA, beide Spezialisten für Versicherungs-Software, vor 9 Monaten fusionierten, begann für die Personalabteilungen eine Zeit voller Herausforderungen. Im Interview mit Gabi Stöger zieht Hans Bartmann, Personalleiter von COR&FJA, eine vorläufige Bilanz.
Gabi Stöger: Lieber Hans, eine ganz persönliche Frage gleich zu Beginn: Du bist kurz vor der Fusion zwischen COR und FJA Personalleiter geworden, also in einer recht herausfordernden Situation. Welche persönlichen Fähigkeiten bzw. Fertigkeiten haben dir in dieser neuen Situation geholfen?
Hans Bartmann: Es stimmt, ich kam aus der Praxis der Versicherungsmathematik und kannte mich mit den entsprechenden Gesetzestexten noch nicht sonderlich gut aus. Meine praktischen Erfahrungen, nicht so sehr als Mathematiker, sondern als Führungskraft haben mir enorm geholfen, um mit Augenmaß die anstehenden Personalfragen zu bearbeiten.
Meine lange Zugehörigkeit zu FJA bedingt ein hohes Maß an Verständnis für die Mitarbeiterbelange.
Als Informatiker hatte ich keine Berührungsängste mit neuen Themen. Ich bin inzwischen über 60 Jahre und verfüge damit über genügend Lebenserfahrung, die mir die Sicherheit gibt, Dinge besonnen und gemäß meinem Wertesystem zu entscheiden. In meinem Alter hat man keine Karriereallüren mehr. Ich sehe mich mehr als Kollege als Manager. Wenn ich unangenehme Entscheidungen dämpfen kann, bin ich zufrieden.
Es ist also nicht deine formale Ausbildung, sondern deine Lebens- und Berufserfahrung, die dir besonders hilft. Ein Plädoyer für die Einstellung von über 50jährigen!?
Genau so seh ich das und bin daher immer noch unserem ausgeschiedenen Vorstand Dr. Junold dankbar, dass er mir trotz des Alters diese Chance gegeben hat.
Das sagt du, obwohl es durch die Fusionsarbeit ja im Moment ein knochenharter Job für dich ist. Seit mehr als einem Jahr plagt ihr euch, um aus den zwei Unternehmen eins werden zu lassen. Es ist inzwischen viel passiert. Aus heutiger Sicht: was hältst du für unabdingbar und ganz wesentlich für den Erfolg eines solchen Prozesses?
Der wichtigste Schritt war die Bildung von Fachteams, die zu unseren Hauptprodukten Kernlösungen, Gemeinsamkeiten und Ergänzungen und damit neue Synergien für das Unternehmen raus gearbeitet haben. Ebenfalls sehr wesentlich war für die Bildung einer gemeinsamen Kultur das gemeinsame Erarbeiten von Führungsleitlinien. Hier konnten wir in der konstruktiven Zusammenarbeit erfahren, dass wir prinzipiell aus dem gleichen Holz geschnitzt sind und sehr ähnlich denken. Die durchgängige Unterstützung vom Vorstand war m.E. das wichtigste Erfolgskriterium in unserem Prozess.
Mit deiner jetzigen Erfahrung bzgl. dieses Prozesses: was würdest du heute verstärkt oder anders machen?
Vieles ist ja vorgeschrieben. So darfst du vor der Eintragung keine Aufgabengebiete zusammenlegen. Uns waren die Hände gebunden, trotzdem würde ich jetzt den Zielprozess stärker vorbereiten. Dann kann´s noch effektiver starten. Außerdem wäre ich vorsichtiger beim Verkünden der ersten Quick-Wins. Ich würde nun darauf achten, nicht zu kleine Erfolge an die Belegschaft zu kommunizieren. Diese erwarten große Veränderungen und können mit Zwischenschritten wenig anfangen. Darüber hinaus weiß ich inzwischen, dass man nicht zu viele Baustellen auf einmal öffnen darf. Wir hatten ja die Mammutaufgabe, nicht nur aus zwei ein Unternehmen zu formen, sondern es waren ja fünf Ausgangssysteme, die integriert werden mussten. Die Integration der dazugekauften Unternehmen war nämlich auf beiden Seiten noch nicht abgeschlossen. Mit der zunehmenden Komplexität der Systeme wächst die Bedeutung der Kommunikation für diesen Integrationsprozess. Obwohl wir ein gemeinsames Kommunikationsportal eingerichtet hatten, kämpften wir mit unterschiedlichen technischen Plattformen. Das würde ich heute rechtzeitig bereinigen. Auch habe ich gelernt, dass die Ergebnisse von Arbeitsgruppen in ihren Formulierungen mit allen Holprigkeiten und mit allem Charme der Sprache, wie wir halt sprechen, genau so stehen gelassen werden sollten.
Das war eine Vielzahl an wichtigen Aspekten der Fusionsarbeit. Wenn du auf das zurückliegende Jahr schaust, was war ein wirklich herausragender Moment?
Ganz klar – unsere Fusionsfeier, als unsere fünf Vorstände und die beiden Betriebsratsvorsitzenden auf der Bühne die symbolische Unterschrift auf dem von uns vorgestalteten Plakat gaben.
Das war schon ein bewegender Moment.
Dieses Signal der Vorstände war ungemein hilfreich – doch ihre aktive Unterstützung ist immer noch unverändert von großer Wichtigkeit für das Gelingen des Fusionsprojekt. Geht`s doch jetzt darum, den Worten auch entsprechende Taten folgen zu lassen. Denn die Integration der zwei Häuser ist noch lange nicht abgeschlossen. Es ist zwar ein erster, globaler Schritt geschafft, doch jetzt stecken wir in mitten der Detailumsetzung, die uns bestimmt noch Monate in Anspruch nehmen wird. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass wir unsere Ziele gut erreichen werden.

